Wie super ist Superwash-Garn?

Wie super ist Superwash-Garn?

Ist Superwash-Garn wirklich super?

Wenn du mich fragst, dann lautet die Antwort ganz klar: "Nein!" Zumindest aus ökologischer Perspektive. Aber natürlich hat es trotzdem Vorzüge, sonst wäre es nicht so beliebt.

Was kann Superwash-Garn?

Wie der Name schon sagt, kannst du Superwash-Garn problemlos in der Waschmaschine waschen, ohne Bedenken zu haben, dass die Strickstücke filzen oder schrumpfen. Außerdem sind die Farben auf superwash-behandeltem Garn oft besonders leuchtend, daher ist es vor allem bei Handfärber*innen beliebt. Und durch die glatte Oberfläche wird es meist als weicher wahrgenommen – was aber nicht bedeutet, dass Non-Superwash-Garne nicht ebenso weich sein können.

Was bedeutet "superwash"?

Garn darf sich "superwash" nennen, wenn es eine bestimmte chemische Behandlung durchlaufen hat. Wenn man sich Wolle unter dem Mikroskop anschaut, sind auf der Oberfläche winzige Schüppchen zu sehen. Ist die Wolle viel Reibung und/oder Wärme ausgesetzt ist, entstehen Verbindungen zwischen diesen Schüppchen – die Wolle filzt und/oder das Strickstück geht ein. Um das zu vermeiden, werden diese Unebenheiten an der Oberfläche entweder geglättet oder entfernt. Das aktuell häufigste Verfahren ist eine Kombination aus beidem. Zuerst wird mit Chlorgas oder Chlorlösung ein Teil der Schuppen entfernt. Danach wird eine Beschichtung aus Kunststoff (falls du beim nächsten Stricktreff mit Fachbegriffen glänzen möchtest: Polyamid-Epichlorhydrin-Harz) aufgebracht. 

Wieso ist das ökologisch bedenklich?

Wie du dir sicher schon denken kannst, enthält Superwash-Garn damit Plastik – das bedeutet, dass beim Waschen und Abnutzen der Strickstücke Mikroplastik freigesetzt wird, ins Abwasser und in die Umwelt gelangt. Aber nicht nur das: Die Abwässer, die während der Superwash-Behandlung entstehen, sind hochgiftig. Das ist auch gefährlich für alle Arbeitenden, die in diesen Prozess involviert sind. Und der zusätzliche Arbeitsschritt macht die Herstellung ressourcenintensiver: Es werden mehr Wasser und Energie verbraucht. Zwar wird schon seit einiger Zeit auch an nachhaltigeren Alternativen für Superwash-Behandlung getüftelt (vielleicht schreibe ich darüber auch nochmal einen gesonderten Artikel), aber die allermeisten Garne, die das Label "superwash" tragen, werden nach wie vor auf die gerade beschriebene Weise hergestellt.

Die "Wolle ohne Eigenschaften"

Die humorvolle Anspielung auf den Romantitel "Der Mann ohne Eigenschaften" sei mir als Literaturwissenschaftlerin gestattet. Fakt ist jedoch wirklich, dass superwash-behandelte Wolle viele ihrer einzigartigen Eigenschaften verliert, die wir so lieben: Sie ist nicht mehr biologisch abbaubar, nicht mehr so elastisch, hat nicht mehr so ein gutes Formgedächtnis, ist nicht mehr so wärmend und wasserabweisend.

Meine Erfahrungen mit Superwash-Garn

Auch ich habe anfangs, als ich mich noch nicht so gut mit Garn auskannte, mal zu Superwash-Wolle gegriffen und daraus ein wunderschönes Oberteil gestrickt, das Ellie Shirt von Rust Knitwear (auf dem Foto zu sehen vor seinem "Unfall"). Und ironischerweise habe ich mir ausgerechnet dieses Top durch falsches Waschen verdorben. Zwar hatte ich eine niedrige Temperatur und geringe Drehzahl manuell an der Waschmaschine eingestellt, aber dann versehentlich nicht das Woll-, sondern das Baumwollprogramm ausgewählt – et voilà, es hat eben doch gefilzt. Auf der Banderole meines Garns stand allerdings "100 % Merino", obwohl es aufgrund der Tatsache, dass es superwash-behandelt ist, eigentlich Kunststoff enthalten müsste. Entweder war das also nicht korrekt auf der Banderole ausgewiesen (was schon skandalös wäre) oder es wurde in diesem Fall keine Beschichtung aufgetragen.

Was tun mit Strickstücken aus Superwash-Garn?

Dieser Artikel möchte dich auf keinen Fall davon überzeugen, dass du Superwash-Garn, das du schon gekauft hast, oder daraus gestrickte Teile entsorgen musst – schließlich ist hier der Herstellungsprozess ohnehin schon abgeschlossen und es ist ressourcentechnisch kein Vorteil damit verbunden, das bereits vorhandene Garn nicht zu verwenden. Du kannst allerdings der Freisetzung von Mikroplastik beim Waschen entgegenwirken, indem du spezielle Waschbeutel verwendest, die Plastikpartikel auffangen – eine tolle Möglichkeit auch für andere Textilien, die Kunststoff enthalten. Und vieleicht inspiriert dich dieser Beitrag ja auch, beim nächsten Wollkauf noch etwas genauer auf die Banderole zu schauen.

Waschmaschinenwäsche OHNE Superwash-Behandlung?

Es ist, wie es ist: Ich bin furchtbar faul, was das Waschen von Strickstücken angeht, und ich wasche ALLE meine handgestrickten Sachen in der Maschine, auch wenn die meisten davon aus Non-Superwash-Garn bestehen. Das funktioniert - aber nur, wenn man bestimmte Faktoren beachtet. Aber dazu schreibe ich mehr in einem anderen Artikel. Wenn du keinen meiner Artikel mehr verpassen möchtest, lade ich dich herzlich ein, meinen Newsletter zu abonnieren! 

Quellen:

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