Meine liebsten plastikfreien Sockengarne

Meine liebsten plastikfreien Sockengarne

Warum plastikfreies Sockengarn?

In unserem Leben ist Kunststoff allgegenwärtig. Nicht nur in Verpackungen und Haushaltsgegenständen – winzige Plastikteilchen, sogenanntes Mikroplastik, wurden mittlerweile laut Umweltbundesamt „in allen Regionen und allen Ökosystemen der Erde nachgewiesen“, darüber hinaus aber auch in vielen Lebensmitteln, Getränken und sogar im menschlichen Körper (auch als sog. Nanoplastik).[1] Um herauszufinden, wie genau sich das auf die menschliche Gesundheit und auf Ökosysteme auswirkt, braucht es noch mehr Forschung, aber viele gesundheitsschädigende Wirkungen konnten schon nachgewiesen werden.[2] Mikroplastik entsteht vor allem durch Abbau und Abnutzung von Plastik. Und genau hier kommen unsere Socken ins Spiel. 

Wieso enthalten viele Sockengarne Plastik?

Die meisten Sockengarne enthalten mindestens 25 % Polyamid bzw. Nylon – was nichts anderes ist als Kunststoff. Grund dafür ist vor allem die Stabilität: Socken mit Kunststoffanteil bekommen einfach nicht so schnell Löcher. Trotzdem nutzen sie sich mit dem Laufen und Waschen ab, und dabei lösen sich winzige Plastikpartikel. Natürlich ist es trotzdem praktisch, solche Sockengarne zu verwenden, denn Fakt ist auch: Sockengarn ohne Kunststoffanteil ist tatsächlich etwas weniger stabil und die Socken müssen früher mal geflickt werden. Allerdings geht das schneller und einfacher, als du vielleicht denkst, und lässt sich sogar auf künstlerische Art und Weise machen. Mehr zum Sockenstopfen erzähle ich dir in einem zukünftigen Blogartikel. Oft bekommen wir vermittelt, dass Sockenstricken ohne Kunststoff überhaupt nicht funktioniert, aber dann frage ich mich immer: Was ist länger her – die Erfindung des Kunststoffs oder die Erfindung des (Socken-)Strickens? Es muss also eine Zeit gegeben haben, in der Stricksocken ohne Plastik der Standard waren. Und natürlich ist alles auch eine Frage des Garns: Manche plastikfreien Sockengarne sind widerstandsfähiger als andere. Hier zeige ich dir ein paar meiner persönlichen Favoriten. Diese Liste ist natürlich absolut nicht vollständig und auch ich freue mich immer, neue Garne zu entdecken.

Plastikfreies Sockengarn mit Tencel, Ramie, Mohair und/oder Seide

Ein häufiger Ansatz, um Plastik in Sockengarn zu vermeiden, ist, es durch andere, ähnlich stabile Fasern natürlichen Ursprungs zu ersetzen. Dabei hoch im Kurs stehen Seide, Ramie (eine ursprünglich in Ostasien heimische Faserpflanze aus der Familie der Brennnesselgewächse) und Tencel™ (Lyocell-Fasern aus Cellulose, die aus Holz gewonnen werden). Sehr gängig ist die Zusammensetzung aus 60 % Wolle, 20 % Seide und 20 % Ramie. Ich habe schon mehrere Garne dieser Art ausprobiert und kann sie alle hinsichtlich Stabilität empfehlen. Was die Weichheit betrifft, empfindet das jede*r individuell, aber mit Blick auf alle hier vorgestellten Garne würde ich sie als eher weich beschreiben. Dazu gehört etwa Pinta von Pascuali, die ich für meine Lenz Socks verwendet habe, ...

... Seidenmix, pflanzengefärbt von Maibells Pflanzenfarben, das für meine No Mow Socks zum Einsatz gekommen ist,

... oder Turin von Seehawer Naturfasern, aus dem ich The Flowers and the Bees gestrickt habe.

Eine weitere Mischung, die ich allerdings noch nicht so oft gesehen habe, ist Wolle und Mohair. Ja genau, die aktuell so beliebte Luxusfaser Mohair von der Angoraziege ist trotz ihrer Zartheit sehr widerstandsfähig und perfekt geeignet für Sockengarn, auch wenn dieses dann häufig etwas hochpreisiger ist. Ich habe vor Kurzem Moorland Mohair von Erika Knight mit 20 % Mohair entdeckt, aus dem ich auch meine Midsommar Socks gestrickt habe.

Plastikfreies Sockengarn aus reiner Wolle

Es gibt allerdings auch Sockengarn aus 100 % Wolle. „Aber fehlt dann nicht der wichtige, stabilitätbringende Faktor?“, fragst du dich vielleicht. Nicht unbedingt, denn bei der Widerstandsfähigkeit von Wolle kommt es auf die Zwirnung und auf die Auswahl der Schaf-Rassen an. Garne, die das meiner Ansicht nach super hinbekommen haben, sind etwa Ovis Sock von Woollentwine, das jeweils zur Hälfte aus den Schafrassen Jacob und Cheviot besteht und ich als Hauptfarbe für What the Sock verwendet habe,

... oder Southdown von Alte Künste, aus 100 % Wolle des Southdown-Schafs, aus der ich schon 2023 ein paar Socken gestrickt habe, an deren Anleitung ich mich leider nicht mehr erinnere, aber die mich (mit ein paar kleinen Reparaturen) bis heute begleiten.

Plastikfreies Sockengarn für dicke Socken

Alle Sockengarne, die ich dir bisher vorgestellt haben, haben eine klassische Sockengarnstärke (4-fach, auch Fingering genannt). Ich persönlich liebe aber auch besonders dicke Socken, daher habe ich hier noch zwei Tipps für Garne, die doppelt so dick sind, also DK-Stärke. Zum einen wäre da die pflanzengefärbte Bioland Schafschurwolle mit Leinen von der Garnmanufaktur Filges. Ich habe sie schon in vielen Farben verstrickt (unter anderem regenbogenfarben!) und auch wenn sie etwas rustikaler ist, finde ich sie einfach fantastisch. Ein weiterer Favorit ist Woolly Wood von Novita aus 70 % Wolle und 30 % Tencel. Leider, leider: Dieses Garn wird nicht mehr produziert und ich verstehe wirklich nicht, warum, denn es ist bei mir so lange lochfrei geblieben wie kein anderes Sockengarn, und dabei gleichzeitig wunderbar weich. Trotz Produktionsstopp ist es in einigen Shops noch erhältlich, es lohnt sich also, schnell zu sein, wenn du es mal ausprobieren möchtest.

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  1. Umweltbundesamt: Mikroplastik. URL: https://www.uba.de/n111139de (zuletzt abgerufen am 18.02.2026).
  2. Li Y, Ling W, Yang J, Xing Y. Risk Assessment of Microplastics in Humans: Distribution, Exposure, and Toxicological Effects. Polymers (Basel). 2025 Jun 18;17(12):1699. doi: 10.3390/polym17121699. PMID: 40574225; PMCID: PMC12197308..
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