Knittivism: Beim Stricken einen Unterschied machen, Masche für Masche

Knittivism: Beim Stricken einen Unterschied machen, Masche für Masche

Knittivism – was soll das denn sein?

Das englische Wort "knittivism" ist eine Zusammensetzung aus den Wörtern "knit" ("Stricken") und "activism" ("Aktivismus"). Die Idee dahinter ist, dass man sogar durch ein Hobby wie das Stricken (oder auch Häkeln) dazu beitragen kann, dass politische, gesellschaftliche oder kulturelle Veränderungen stattfinden. Wie das funktioniert? Da gibt es viele ganz unterschiedliche Wege. Du musst dafür nicht mit deinem Strickzeug unter dem Arm auf eine Demo gehen (auch wenn du das natürlich tun kannst). Manchmal macht schon eine einzige kleine Entscheidung einen Unterschied. Wie das funktionieren kann, liest du in diesem Beitrag.

1. Sei informiert!

Schau dir die Website oder den Social-Media-Auftritt einer Firma oder eines*r Designer*in an, bevor du etwas kaufst. Findest du dort Infos über deren Werte und darüber, wie ihre Produkte hergestellt werden? Wenn ja: Stimmen die Werte mit deinen eigenen überein?

Vorsicht vor Greenwashing, also dem Versuch, sich als Unternehmen besonders umweltfreundlich darzustellen. Das Wort "Nachhaltigkeit" ist sehr werbewirksam, aber wenn eine Firma nicht genauer erklärt, was es für sie konkret bedeutet und auf welche Weise Nachhaltigkeit im Unternehmen umgesetzt wird, lohnt sich genaueres Hinschauen.

2. Wähle weise!

Schau dir an, wer der Mensch oder die Menschen hinter einem Markennamen sind. Unterstütze bewusst Menschen oder gesellschaftliche Gruppen, die dir am Herzen liegen und deiner Meinung nach Unterstützung verdienen und/oder besonders benötigen. Damit die Handarbeitswelt weiterhin so vielfältig bleibt, kannst du beispielsweise gezielt kleine Unternehmen unterstützen.

3. Stricken ist eine Kunstform!

Nutze ihre Darstellungsmittel! Aus einzelnen Maschen können Buchstaben und Bilder werden – lass deiner Kreativität freien Lauf! Verwende zum Beispiel eine Anleitung für ein Basic-Shirt oder einen Basic-Pullover als Grundlage und stricke mithilfe von Colourwork deine Message ein – dafür eigen sich z. B. auch meine Anleitung für den Knit Purl Repeat Sweater oder das Knit Purl Repeat Tee besonders gut. Es gibt auch ein paar Strickanleitungen, die schon eine solche direkte Message haben.

Meine persönliche Meinung: Ich bin kein großer Fan von Strickanleitungen, die Beleidigungen nutzen, um darzustellen, dass sie gegen etwas sind (etwa "FCK [...]"), besonders wenn damit gerade die Sache, die eigentlich kritisiert werden soll, ins Zentrum des Designs rückt und dadurch gewissermaßen eine Bühne bekommt. Wie wäre es beispielsweise, wenn wir unser Stricken einfach dafür nutzen, die Werte zu feiern, für die wir einstehen wollen?

4. Zeig dich!

Wenn du dein gestricktes Statement-Teil fertig hast, trage es in der Öffentlichkeit!Völlig egal, ob du auf eine Demo gehst oder einfach nur den Wocheneinkauf erledigst – andere Menschen sehen die Werte, die dir wichtig sind, und dein handgemachtes Kleidungsstück kann sogar als Aufhänger für ein Gespräch fungieren.

Für Fortgeschrittene: Wenn du gern auf Demos gehst, warum nicht ein Plakat oder Banner mit deinem Slogan stricken? Oder wie wäre es mit Guerilla-Stricken?

5. Vernetze dich!

Gehe zu Stricktreffs oder rufe selbst einen ins Leben! Achte darauf, ihn offen für alle zu gestalten, über jegliche Altersgruppen und gesellschaftliche Gruppen hinweg – auch wenn das vielleicht bedeutet, dass du dort auf Personen triffst, die andere Werte oder sogar andere politische Einstellungen haben als du. Ein gemeinsames Hobby ist ein wunderbarer Ausgangspunkt, um Verbindungen zu knüpfen. Und wenn Menschen teil einer Strickgruppe sind, in der Werte wie Freundlichkeit, Respekt, gegenseitige Wertschätzung, Toleranz und Weltoffenheit gelebt werden, kann das auch dazu beitragen, dass Teilnehmende diese Werte annehmen und auf andere Lebensbereiche übertragen.

6. Für den guten Zweck!

Stricke oder häkle für wohltätige Zwecke, indem du beispielsweise Handgemachtes verkaufst und damit Spenden sammelst, oder beteilige dich an großen Gemeinschaftsprojekten. Wo in deiner Nähe es solche Projekte gibt, erfährst du, indem du dich auf Social Media vernetzt oder im wahren Leben Kontakte zu anderen Handarbeitenden knüpfst. Oder du entwickelst einfach deine eigene Idee für ein Projekt und suchst dir Verbündete.

7. Den Fokus verschieben!

Wenn wir von unseren Strickstücken erzählen (z. B. über Social Media oder gegenüber Freunden und Familie), konzentrieren wir uns oft auf Aspekte wie die Farbe des Garns, seine Weichheit oder den Schnitt/Stil des fertigen Kleidungsstücks. Mindestens genauso spannend ist es aber, folgende Fragen zu stellen und zu beantworten: Woher kommt mein Garn oder die Materialien, aus denen es hergestellt wurde? Wie wurde es hergestellt? Woher kommt es? Wer war an der Herstellung beteiligt? Gibt es eine Geschichte hinter diesem Garn?

8. Unterstützen kostet nichts!

Nutze all die kostenlosen Wege, Kreative oder Unternehmen zu unterstützen, deren Werte du gut findest: Like, teile und speichere ihre Social-Media-Beiträge, folge ihnen, hinterlasse ihnen einen Kommentar, gib ihren Anleitungen auf Ravelry ein Herzchen, abonniere ihren Kanal, besuche ihre Website oder lies ihren Blog. Auch wenn das auf den ersten Blick wie eine winzige, unbedeutende Geste wirkt – in der kompetitiven, unberechenbaren Welt von Social Media macht es definitiv einen Unterschied, ob du einen Beitrag nur anschaust oder auch auf "gefällt mir" klickst.

Und nun?

Diese Liste ist definitiv nicht vollständig und soll dich lediglich ein bisschen inspirieren. Wenn du lieber einfach nur in Ruhe stricken möchtest, ohne über Politik nachzudenken, ist das vollkommen in Ordnung – das Stricken ist eine wunderbare Möglichkeit, all den Problemen auf der Welt mal kurz zu entfliehen. Trotzdem sind viele der Entscheidungen, die wir beim Stricken treffen – angefangen bei den Materialien, mit denen wir arbeiten –, durchaus politisch und machen einen Unterschied. 

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